Watt vor Cuxhaven-Duhnen

Watt schön

Ich fahre ans Meer und das Meer – das Meer haut ab. Es ist Ebbe angesagt, als ich in Cuxhaven ankomme, und das Wasser hat sich mehrere Kilometer weit zurückgezogen. Großartig, denn so liegt sie vor mir, die größte Attraktion dieser Gegend: das Wattenmeer, Nationalpark und UNESCO Weltnaturerbe.


Einen Moment zögere ich, ob ich wirklich die Schuhe ausziehen soll. Es ist Anfang April und der Tag ist sonnig und mild, aber zu dieser Jahreszeit sind Schuhe eigentlich selbstverständlich, zumindest für mich. Andererseits: Ein Spaziergang im Watt macht barfuß erst richtig Spaß. Wenn der Schlick sanft zwischen den Zehen hindurchquillt. Wenn unter den Fußsohlen der vom Wasser gewellte Meeresboden zu spüren ist. Wenn ich nach Lust und Laune mit nackten Füßen durch die vom Meer zurückgelassenen Wasserlachen patschen kann. Also ziehe ich Sneakers und Socken aus, krempele die Hose hoch und laufe hinaus auf das trockengefallene Land.

Ein Spaziergang im Watt macht barfuß erst richtig Spaß

Überraschung: Es ist überhaupt nicht kalt. Die Sonne erwärmt den dunklen Boden unter mir und das flache, übriggebliebene Wasser in den kleinen Tümpeln rasch. Ich laufe über den weichen Meeresboden und durch die Bewegung werden auch meine Füße schnell warm.

von wegen langweilig …

Nicht jeder mag das Watt. Öde, schlammig, langweilig … Ich dagegen liebe dieses Land, das so unscheinbar daherkommt und doch so spannend ist. Und das nach ein paar Stunden an der frischen Luft wieder unter dem Meer verschwindet. Ich folge den Spuren der Möwen vorbei an kleinen Wasserläufen und Sandbänken. Der Meeresboden ist übersät mit den lustigen Türmchen, die die Wattwürmer bauen. Wobei die Türmchen ja eigentlich die Kothaufen der Tiere sind, Überreste der Arbeit, einmal das Watt umzugraben, letztlich also nichts anderes als Sand. Mit ein bisschen Glück entdecke ich kleine Krebse und Schnecken. Muschen schauen aus dem Schlick heraus, der an manchen Stellen (etwa zwischen den Cuxhavener Ortsteilen Döse und Duhnen) so tief und weich ist, dass er dem beschuhten Wanderer schon einmal die Gummistiefel auszieht. Wer aber auf den mit Reisigbüscheln markierten Wanderwegen im Watt bleibt, muss nicht fürchten, seine Stiefel zu verlieren. Der Weg führt über 10 Kilometer zur Insel Neuwerk, die in der Ferne zu sehen ist. Wem das für einen Spaziergang zu weit ist, nimmt eine der Pferdekutschen, die sich vor mir gerade auf den Weg machen.

Im Watt gilt: Sicher ist besser

Fußgänger, die keine Erfahrung mit dem Watt haben, sollten sich besser einem Wattwanderführer anschließen, bevor sie sich zu weit rauswagen. Die kennen auch die Muschelbänke, die für barfüßige Wanderer zur Gefahr werden können.

Nie, wirklich niemals unterschätzen, wie schnell das Meer sich den Meeresboden zurückerobert

Jedes Jahr wieder geraten Touristen in Seenot, weil sie von der auflaufenden Flut überrascht werden. Und nicht immer gehen die Geschichten gut aus. Deshalb ist es wichtig, vorher den Tidenkalender genau zu studieren, die Situation vor Ort kritisch einzuschätzen und lieber einmal zu viel als zu wenig einen Einheimischen um Rat zu fragen. Wenn Nebel aufzieht, ist das Watt tabu. Da draußen gibt es keinerlei Orientierungspunkte, wenn die Küste in der trüben Suppe erst einmal verschwunden ist. Überhaupt sollte man immer das Land im Blick behalten und nie, wirklich niemals unterschätzen, wie schnell das Meer sich den Meeresboden zurückerobert.

Urlaubsfeeling in Rekordzeit

Ich selbst bleibe an diesem Tag in der Nähe des Strands, spaziere abwechselnd über das Watt und über den Sand und lasse mir vom Wind das Haar zerzausen. Irgendwann suche ich mir ein ruhiges, windstilles Fleckchen hinter eine Düne, lege mich in den warmen Sand, genieße die Sonne und nicke zum Kreischen der Möwen ein. Gerade erst angekommen bin ich in Rekordzeit doch schon im entspannten Urlaubsfeeling. Watt schön!

2 Kommentare zu “Watt schön

  1. Oh schön, eine Wattwanderung. Das steht schon seit Ewigkeiten auf meiner Bucket List.

    • Cordula Natusch

      Ja, die macht wirklich Spaß. Aber immer schön vorsichtig sein … Am sichersten ist es, an einer geführten Wattwanderung teilzunehmen.

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